Adobe Illustrator CS6 – Der erste Eindruck und neue Features

Seit 25 Jahren gibt es nun schon den Adobe Illustrator. Und während dieser Zeit hat sich die Grafiksoftware von Adobe zu einem der Quasi-Standardprogramme im Bereich des Vektor-basierten Grafikdesigns entwickelt. Das Jahr 2012 markiert nicht nur das „Silber-Jubiläum“, sondern stellt auch einen besonderen Meilenstein im Werdegang des Programms dar. Dazu tragen einige grundsätzliche Neuerungen und neue Programm-Features in der aktuellen Version „CS6“ des Illustrators bei, welche den Nutzern entscheidende Vorteile bieten werden. Ganz besonders sticht dabei die neue Performance des Programms heraus, die darauf beruht, dass es von den Entwicklern von Grund auf neu aufgebaut wurde.

Neue Bedienoberfläche

Wie es schon fast Tradition bei Adobe ist, wenn ein großes Update herauskommt, gibt es in der Version CS6 mal wieder einen neuen Splash-Screen, beim Starten der Anwendung. Das Design ist diesmal ein wenig ungewöhnlich, fast schon minimalistisch und von der Aufmachung her erinnert der Splash-Screen am ehesten an eine „Freestyle“ Origami-Kreation. Was dem Anwender als nächstes ins Auge sticht, ist die neue, dunkel eingefärbte Bedienoberfläche. In den Voreinstellungen für die Benutzeroberfläche kann die Farbe auch auf hellere Töne eingestellt werden. Somit ist gewährleistet, dass sich empfindliche Augen, die sich partout nicht an den dunklen Farbton gewöhnen wollen, von dem neuen Look nicht malträtiert werden – welcher im Übrigen bereits aus den neuen Versionen von Premiere Pro und After Effects bekannt ist.

Neue innere Werte

Wer nach dem ersten optischen Eindruck anfängt, sich mit dem Illustrator CS6 eingehender zu beschäftigen, erkennt sofort: Nicht die Veränderungen an der Benutzeroberfläche machen den Unterschied zu den Vorgängerversionen aus. In Wirklichkeit sind es die inneren Werte, die den Adobe Illustrator CS6 interessant machen.

Mit der CS6-Version zu arbeiten ist sogar fast eine ganz neue Erfahrung. Routinemäßige Aufgaben können jetzt schneller und effizienter erledigt werden. Denn alleine schon die gewöhnlichen Arbeitsschritte, wie das Anwenden der Weichzeichner und anderer Effekte, ist nicht mehr mit den üblichen ausgedehnten Wartezeiten verbunden. Auch das Ein- und Auszoomen in großen Dateien, oder das Öffnen, Exportieren oder Speichern derselben, geschieht mit einer bisher nicht gekannten Geschwindigkeit und Stabilität, wodurch die eigene Arbeitseffizienz merklich gesteigert werden kann.
Schuld an dieser deutlich verbesserten Leistung ist das neue „Mercury Performance System“ von Adobe, auf dem Illustrator CS6 basiert. Somit ist die neue Version quasi von Grund auf neu aufgebaut worden und ist zudem jetzt eine 64-Bit-native Anwendung (Mac OS und Windows), welche den Arbeitsspeicher umfassender ausnutzt. Adobe selbst verspricht „höchste Präzision, Geschwindigkeit und Stabilität bei der Bearbeitung großer und komplexer Dateien“. Ein vollmundiges Versprechen der Marketingabteilung, welches sich beim ersten Test mit Adobe Illustrator CS6 allerdings mehr als bestätigt.

Veränderungen und neue Features

Die Tatsache, dass der Illustrator in der Version CS6 praktisch neu aufgebaut wurde, haben die Entwickler auch zu einigen kleineren Veränderungen genutzt: So sind im Bedienfeld für die Farben jetzt die RGB Hex-Werte enthalten. In der Dialogbox für die Tastaturbefehle gibt es nun eine neue Suchfunktion. Das Zeichenflächen-Werkzeug, die Ebenen, die Grafikstile, die Farbfelder, die Symbole sowie die Pinsel können jetzt direkt in den Bedienfeldern umbenannt werden. Weitere kleine Veränderungen sind die Möglichkeiten zum Ein- und Ausschalten des Skalierens von Konturen und Effekten im Transformieren-Bedienfeld, neue Funktionen zum Erstellen und Zurückwandeln von Schnittmasken im Transparenz-Bedienfeld sowie ein Lupensymbol am unteren Ende des Ebenen-Bedienfelds zur Objektsuche, welche die Ebenen-Hierarchie öffnet und das gewünschte Objekt anzeigt. Zudem haben die Entwickler viele Funktionen, die vorher in den verschiedenen Voreinstellungen der Bedienflächen versteckt waren, direkt auf den Bedienflächen zugänglich gemacht. Ebenfalls kleine Änderungen, aber sehr nützlich, sind die kleinen Symbole im Zeichen-Bedienfeld für Hochgestellt, Tiefgestellt, Kapitälchen und Großbuchstaben sowie die für Mac-User neue Möglichkeit die Schriftarten per Pfeiltasten auszuwählen.

Insgesamt sind all diese Änderungen an der Bedienoberfläche einzeln betrachtet eher von marginaler Bedeutung, und bei einem Programm-Update von Adobe auch nichts Ungewöhnliches, bringen aber sicherlich in der Summe nochmals eine Möglichkeit zur Leistungssteigerung – im Sinne einer höheren Effizienz – für den eigenen kreativen Output. Was beim Adobe Illustrator CS6 allerdings das wirklich Entscheidende ist, sind die drei neuen hinzugekommenen „großen“ Features:

Der neue Bildnachzeichner in Adobe Illustrator CS6

Nachzeichnen im Adobe Illustrator ist jetzt präziser und einfacher geworden, dank der neuen Nachzeichner-Engine. Der alte, teils schwer verständliche interaktive Nachzeichnen-Dialog wurde durch ein neu gestaltetes Bedienfeld ersetzt, welches leistungsfähiger und logischer zu bedienen ist. Die Arbeitsergebnisse sind verblüffend gut. Die häufig schlechten Ergebnisse beim Konturverlauf und den Farbresultaten, wie sie bei den Vorversionen nicht unüblich waren, gehören jetzt fast der Vergangenheit an. Beim Nachzeichnen im Farbmodus kann jetzt jede Farbgruppe verwendet werden, die sich schon im Farbfeld befindet. Auch die Einstellungen zum Nachzeichnen sind verständlicher geworden und die Tatsache, dass diese jetzt in einem Bedienfeld bereit stehen, anstatt in einem umständlichen Dialog, erleichtert das Arbeiten enorm.

Neues Feature: Nahtlose Musterelemente

Adobe Illustrator CS6 bietet ein völlig neues Optionen-Bedienfeld zum Erstellen von nahtlosen Musterelementen. Auch bestehende Musterelemente können damit nachbearbeitet werden. Direkt auf der Zeichenfläche können verschiedene Designs einfach und schnell als unterschiedliche und sich wiederholende Muster angelegt werden.

Neues Feature: Verläufe auf Konturen

Ein weiteres neues Feature ist die Möglichkeit Konturen Verläufe zuweisen zu können. Dies kann über die Breite bzw. Länge oder gar innerhalb der Kontur geschehen. Dem Designer obliegt es die genaue Deckkraft und Position zu bestimmen. Der Kreativität sind hierbei fast keine Grenzen gesetzt. Die ist ein neues Feature, welches schon lange von der Illustrator-Usercommunity gefordert wurde und nun endlich implementiert wurde.

Fazit

Abschließend ist es sicher fair zu sagen, dass der Adobe Illustrator CS6 einen wichtigen Meilenstein in der Programmgeschichte darstellt, wenn auch keinen sensationellen Quantensprung. Aber die neu hinzugekommenen Features und die kleinen Verbesserungen machen das Designer-Leben einfach angenehmer. Am meisten beeindruckt jedoch die neu gewonnene Leistungsfähigkeit und Geschwindigkeit. Wer vielleicht auf neue Funktionen nicht so viel Wert legt, den sollte zumindest das neue Mercury Performance System überzeugen. Vor allem aber bietet der Adobe Illustrator CS6, in Hinblick auf die Zukunft des Programms, einen sehr positiven Ausblick. Aufbauend auf die software-technische und performance-orientierte „Neugestaltung“ des Programms dürften zukünftige Updates und Versionen sicher sehr interessant werden.

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