Adobe Zertifizierungen

Adobe Zertifizierungen im Überblick (ACA, ACE, ACI)

Die Softwareprodukte des amerikanischen Unternehmens Adobe Systems Corporation sind in fast jedem Unternehmen weltweit anzutreffen. Die Bildbearbeitungssoftware Photoshop ist ein Industriestandard in der gesamten Kreativbranche. Produkte wie Acrobat, InDesign, Illustrator oder Premiere stehen dem nicht nach. Durch den hohen Integrationsgrad der Programme von Adobe findet sich oft die Nutzung einer Kombination von mehreren Programmen gleichzeitig – je nach Aufgabenstellung.

Professionelle Anwenderprogramme, wie die von Adobe, erfordern auch ein hohes Maß an Bereitschaft vom Nutzer sich in die teils komplexen Funktionen und Workflows einzuarbeiten. Je besser man die Programme als Werkzeug für die eigenen Anforderungen beherrscht, desto höher die Wertschöpfung. Qualifizierte Anwender erbringen die besseren Ergebnisse in kürzerer Zeit.

Diese Qualifikation im Umgang mit der Adobe Creative Suite bzw. der Creative Cloud erwirbt man entweder autodidaktisch oder durch spezialisierte Trainings. Die daraus entstehende Kompetenz ist jedoch nur schwer objektiv messbar. Zu diesem Zweck hat Adobe verschiedene Zertifizierungsmöglichkeiten entwickelt, die einem selbst und dem (potentiellen) Arbeitgeber die eigenen Fähigkeiten im Umgang mit Photoshop & Co. offiziell bestätigen. Welche Zertifizierungen es gibt, was Sie mit ihnen anfangen und wie Sie diese ablegen können, das erfahren Sie in diesem Artikel.

Vollständiger Karrierepfad der ACA und ACE Zertifizierung von Adobe (Quelle: Adobe)

Vollständiger Karrierepfad der ACA und ACE Zertifizierung von Adobe (Quelle: Adobe)

Der Adobe Certified Associate

Der Adobe Certified Associate (ACA) ist ein Titel, der besonders projektorientierte Kenntnisse auf einem von sechs möglichen Gebieten vermittelt. Die Prüfungsvorbereitung kann durch einen sogenannten „Adobe Certified Associate Educator“ durchgeführt werden; oder aber Sie lernen mit den von Adobe zur Verfügung gestellten Unterlagen eigenständig. Zu den Prüfungsthemen, der durch ein exklusives Lizenzsystem besonders für öffentlich Bildungseinrichtungen interessanten Zertifizierungsprogramms, gehören unter anderem grundlegende Kenntnisse wichtiger Copyright- Bestimmungen, Fragen zum zielgruppenorientierten Arbeiten sowie elementare Vorgehensweisen bei der Arbeit in Gruppen. Ferner wird sich in den Prüfungen mit den speziellen Design- Elementen des jeweiligen Mediums auseinandergesetzt (sei es der exemplarische Aufbau einer Webseite oder ein allgemeines Beispiel über das Design eines Fotos). Diese Fragen werden zertifizierungsübergreifend gestellt, während in einem speziellen Frageteil besonders auf das jeweilige Programm eingegangen wird (also auf das Interface und einige der basalen Funktionen), bis schlussendlich ein paar sehr spezielle Fragen über einige wichtige Vorgehensweisen bei der Bearbeitung eines Projekts mit dem entsprechenden Programm gestellt werden. Diese Zertifizierungen werden aktuell ab der CS Version 4 angeboten. Die Prüfungen selbst werden durch Certiport autorisierte Testcenter angeboten, wie man sie in vielen größeren Städten findet. Unter http://www.certiport.com ist eine Testcentersuche möglich unter: Test Candidates- Locate a Testing Center.

Testcentersuche auf der Webseite von www.certiport.com

Testcentersuche auf der Webseite von www.certiport.com

Dies ist aber nur eine Möglichkeit die Prüfung abzulegen: Außerdem können sich Schulen oder Hochschulen einfach als Testcenter registrieren lassen. Die Realschule Jüchen oder die Freie Universität Berlin seien exemplarisch genannt. Ein Unterschied liegt in den Kosten der Prüfungen: Während die Prüfung in Schulen und Universitäten 50 Euro kostet, sind Preise von schätzungsweise 70 Euro bei den restlichen Testcentern nicht ungewöhnlich (schätzungsweise deshalb, weil diese Testcenter die Preise selbst festlegen dürfen: 80$ ist nur der Richtwert, den Certiport vorschlägt). Die Vorteile, die sich durch diese Zertifizierungen ergeben, sind ziemlich unterschiedlich. Neben der persönlichen Weiterbildung haben Sie gleichzeitig die Möglichkeit das „ACA“- Logo auf ihre Visitenkarte zu drucken, oder beispielsweise eine Kopie des Zertifizierungszeugnisses Ihren Bewerbungsunterlagen beizulegen. Die Praxis zeigt bedauerlicherweise, dass diese Zertifizierungsmöglichkeiten hauptsächlich in Amerika von Schulen genutzt werden, während sie in Deutschland wenig Verbreitung finden (dabei gibt es als Ansporn für die Schüler und Studenten, die einen ACA haben und sich mit andere ACAs messen wollen eine eigene Weltmeisterschaft).

ACA zertifizierbare Bereiche Visuelle Kommunikation mit Adobe Photoshop
Multimedia-Kommunikation mit Adobe Flash Professional
Grafik-Design und Illustration mit Adobe Illustrator
Web-Kommunikation mit Adobe Dreamweaver
Videokommunikation mit Adobe Premiere Pro
Print- und digitales Publishing mit Adobe InDesign
Kosten für Studierende und Schüler ca. 50 Euro
für Nicht- Rabattberechtigte ca. 70 Euro

Als praktisches Beispiel für ein Testcenter sei die Universität Paderborn genannt: Hier finden regelmäßig alle 6 Wochen Prüfungen statt, zu denen man sich im Zentrum für Informations- und Medientechnologien (IMT) für eine Prüfungsgebühr von 48 Euro anmelden kann. Die Prüfungen werden als Multiple Choice Test an einem Prüfungs-PC durchgeführt und dauern ca. 60 Minuten. Der ACA ist eine eigenständige Zertifizierung und ist keine Voraussetzung für den ACE.

Der Adobe Certified Expert

… ist perfekt ausgebildet im Umgang mit einem der 21 prüfbaren Programme von Adobe. Er kennt das Interface des Programms in all seinen Einzelheiten und weiß auch, wofür die jeweiligen Funktionen zu gebrauchen sind. Diese Zertifizierung ist im Gegensatz zum ACA deutlich produktspezifischer und behandelt keine allgemeinen Fragen zur Gestaltung o.ä..

Zielgruppe des ACE sind in erster Linie professionell arbeitende Kreative. Der Mehrwert einer solchen Zertifizierung ist jedoch nicht unumstritten: In erster Linie beweist ein kreativer Kopf seine Kompetenz immer noch am besten durch seine Referenzen und lässt seine Arbeiten für sich sprechen. Dennoch gibt es immer wieder Situationen, in denen bürokratisch über die Vergabe von Aufträgen oder Jobs entschieden wird und hier kann ein „objektiver“ Fähigkeitsnachweis nützlich sein.

Adobe-Zertifizierung-ACE

Beispiel eines Adobe Zertifikats für einen ACE, welches man nach bestandener Prüfung erhält.

Auf die Prüfungen kann man sich sowohl mit den von Adobe angebotenen Unterlagen (Adobe Press), als auch durch Kurse bei Adobe Authorized Training Centern (wie die INCAS Training eines ist) vorbereiten. Die Erfahrung lehrt, dass selbst anerkannte Experten durchaus nicht auf Anhieb durch die ACE Prüfungen gehen, denn die Fragestellungen sind bei einigen Prüfungen gewöhnungsbedürftig und wirken leider in einigen Fällen umständlich. Je exotischer die Prüfung, desto eher taucht dieses Problem auf: Bei Photoshop, Indesign, Illustrator und Premiere machen die Prüfungen mittlerweile einen recht ausgereiften Eindruck. Einen Überblick über die Prüfungsinhalte und einige Beispielfragen kann man sich auf der leider nicht ganz aktuellen Adobe Seite http://www.adobe.com/de/support/certification/exams/ machen. Ein Wort zur Prüfungssprache: Die Examen erscheinen (natürlich) zunächst in Englisch, werden dann aber nach einigen Monaten in vielen Fällen „lokalisiert“, sprich in andere Sprachen wie Deutsch übersetzt. Wer die Prüfung in Englisch ablegt hat drei Vorteile: Man erhält als „nicht-native-speaker“ einen Zeitbonus für die ein bis zweistündigen Prüfungen, kommt deutlich früher an seine Prüfung und hat – auch das lehrt die Erfahrung – oft eine bessere Qualität der Prüfungsfragen selbst. Eine Erfahrung, die jedoch von Programm zu Programm unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Der Nachteil ist, dass man sich vor der Prüfung unbedingt mit den Menüs der englischsprachigen Version des jeweiligen Programms vertraut machen muss! Die deutschsprachige Version der Photoshop CS6 ACE Prüfung erscheint im September 2013, Monate nach dem Launch von Photoshop CC. Photoshop CS6 erschien bereits im Mai 2012…

Für sehr erfahrene Anwender und gute Autodidakten ist ein vorbereitendes Seminar überflüssig. Allen anderen empfehlen wir als Vorbereitung die mehrtägigen Trainings in einem Adobe Authorized Trainings Center. Doch hier der Hinweis: Die Trainings sind eine sehr gute Vorbereitung für das Bestehen der Prüfungen, stellen aber keine Garantie zum Erfolg dar. Denn die Seminare sind nicht als reine Prüfungsvorbereitungs-Veranstaltungen ausgelegt, sondern sehr nah an der Praxis. Über das eigentliche Training hinausgehende praktische Erfahrung in eigenen Projekten mit dem jeweiligen Programm sowie ein nochmaliges Durchgehen aller Funktionen als Prüfungsvorbereitung, bleibt einem Kandidaten nicht erspart.

Man hat theoretisch beliebig viele Versuche die ACE Prüfung zu bestehen. Es gibt nur ein „paar“ kleine Einschränkungen: Nach der ersten nicht bestandenen Prüfung ist eine Wartezeit von 14 Tagen erforderlich, bis man sich zum zweiten Versuch registrieren darf. Der dritte Versuch kann nach einer Wartezeit von nur 72 Stunden erfolgen. Zum vierten Versuch: Der darf erst 12 Monate nach dem ersten Versuch gestartet werden. Man kann also, anders gesagt, insgesamt nur 3 Prüfungsanläufe pro Jahr ablegen!

Neben der Reputation bringt die Mitgliedschaft in den Reihen der ACEs von Seiten Adobes auch weitere Vorteile. Neben Beta- Versionen der Programme hat man außerdem Zugriff auf die Community der ACEs, sei es um sich fachlich auszutauschen oder aber um geschäftliche Beziehungen zu knüpfen. Außerdem hat man Zugriff auf das ACE- Logo, welches auf Visitenkarten und Ähnliches gedruckt werden kann. Eine der wenigen Möglichkeiten sich überhaupt mit dem Adobe Logo „schmücken“ zu dürfen.

Wie alles andere im Leben, sind auch die ACE Prüfungen nicht kostenlos: Im Schnitt schlagen diese mit 180$, also knapp 135 Euro, wobei einige wenige mit bis zu 850$ (also ca. 645 Euro) zu Buche. Das ist aber der Ausnahmefall; die 850$ für die Prüfung zum ACE für den Adobe Digital Analyst ist bei weitem die teuerste Prüfung. Direkt danach kommt Adobe CQ5 und Adobe SiteCatalyst (Implementation) mit 359$ (ungefähr 273 Euro). Deutlich günstiger sind Prüfungen, die auf andere aufbauen. So kann man sich beispielsweise erst für 180$ in Adobes LiveCycle Enterprise Suite prüfen lassen (LiveCycle ES2 Core) um sich dann zusätzlich zu professionalisieren, sei es zB in Richtung Prozessautomatisierung (ca. 42 Euro) oder Datensicherung (ca. 42 Euro).

Übersicht einer Auswahl aktueller (November 2016) zur Verfügung stehender VUE Examen:

Prüfungsnummer  Prüfungstitel Kosten
9A0-127 Adobe® ColdFusion 9 ACE Exam 135,00 €
9A0-162 Adobe FrameMaker® 10 ACE Exam 135,00 €
9A0-163 Adobe RoboHelp® 9 ACE Exam 135,00 €
9A0-164 Adobe Captivate® 5.5 ACE Exam 135,00 €
9A0-182 Flex 4.5 ACE Exam 135,00 €
9A0-302 Adobe® Muse CC ACE Exam 135,00 €
9A0-303 Adobe Photoshop CS6 ACE Exam 135,00 €
9A0-306 Adobe InDesign CS6 ACE Exam 135,00 €
9A0-307 Adobe Flash CS6 ACE Exam 135,00 €
9A0-308 Adobe Premiere Pro CS6 ACE Exam 135,00 €
9A0-309 Adobe After Effects CS6 ACE Exam 135,00 €
9A0-328 Adobe Lightroom 4 ACE Exam 135,00 €
9A0-329 Adobe Acrobat XI ACE Exam 135,00 €
9A0-332 Adobe Dreamweaver CS6 ACE Exam 135,00 €
9A0-333 Adobe Illustrator CS6 ACE Exam 135,00 €
9A0-336 Adobe Experience Manager 5.6 Lead Developer 135,00 €
9A0-345 ACE Digital Analyst 280,00 €

Die jährlich anstehende Rezertifizierung, die nun wegen der neuen Creative Cloud aufgrund der regelmäßigen Updates verpflichtend geworden ist, kostet für jede zur Zeit verfügbare Prüfung 47 Euro, wobei man beachten muss, dass die Prüfungen aktuell noch nicht vollständig auf die Creative Cloud umgestellt wurden. Ein Vorteil der Rezertifizierungen: Diese können sogar (zB. von Zuhause aus) online abgehalten werden, auf der offiziellen Pearson VUE- Seite. Wenn Sie sich zu einer Adobe Prüfung anmelden möchten, finden Sie Tipps für die Vorgehensweise auf unserer Pearson VUE Seite.

Der Adobe Certified Associate Educator und der Adobe Certified Instructor

Diese beiden Zertifizierungen schlagen ein wenig aus der Reihe: Sie sind jeweils die weiterführenden Versionen des ACAs und des ACEs. Wer anderen Kurse geben möchte, um ACA zu werden, wird ACA Educator. Dies geschieht, indem man erst eine Prüfung zum Erlangen des ACA besteht und des Weiteren entweder:

  • Die Befähigung zum Lehren hat (zB durch das Staatsexamen (Lehramt); durch die CompTIA CTT+)
  • Eine schriftliche Mitteilung durch den jetzigen oder letzten Arbeitgeber, der Certiport eine mindestens 2- jährige Erfahrung als Trainer für Adobe Produkte garantiert, vorweisen kann
  • Oder aber bereits ein von einem anderen Unternehmen anerkannter Trainer ist (wenn man beispielsweise einen ACI- Titel besitzt)

Mit diesen Voraussetzungen kann man sich dann bei Certiport bewerben und wenn diese erfüllt sind, bekommt man die Berechtigung den Titel „ACA Educator“ zu verwenden. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Adobe Certified Instructor (ACI): dieser ist der Trainer für ACEs, und muss neben einer bestandenen ACE Prüfung ebenfalls seine Befähigung zum Lehren nachweisen. Die entsprechenden Anträge sind bei Adobe zu stellen.

Was beide noch gemeinsam haben: Sie dürfen nur Kurse anbieten, in denen sie den jeweiligen ACA-, bzw. ACE- Titel erlangt haben.

Fazit

Niemand wird ein besserer Designer, Fotograf oder Video-Artist, nur weil er eine Adobe Zertifizierung sein Eigen nennt. Wer mitten im Job steht und seine Arbeit macht, braucht sich nicht zu zertifizieren. Wer sich jedoch verändern möchte und nicht das Glück hat, nur Referenzen für sich sprechen lassen zu können (aus welchen Gründen auch immer), für den sind die Adobe Zertifizierungen eine gute Alternative das eigene Wissen unter Beweis zu stellen.

Auch wenn die Idee des ACA grundsätzlich die Ganzheitlichere sein mag, ist der ACA in Deutschland doch kaum verbreitet und führt ein Nischendasein. Die Strategie von Adobe, über den ACA bereits früh im Bildungsweg der heranwachsenden nächsten Kundengeneration Fuß zu fassen, geht aktuell in erster Linie in den USA auf.

Der Adobe Certified Expert (ACE) ist das Flagschiff der Adobe Zertifizierungen und beweist tiefe Produktkenntnisse des jeweiligen Programms. Die Prüfungen sind „machbar“ und es gibt ausreichend Möglichkeiten der Prüfungsvorbereitung. Sie werden Teil der ACE Community und haben Zugriff auf exklusive Inhalte wie bspw. beta-Programme. Für Bewerbungssituationen kann der ACE den entscheidenden Wettbewerbsvorteil bringen und ist mit dem ACE Logo der beste Weg seine Adobe Expertise auch auf der Visitenkarte zeigen zu können.

An diesem Artikel hat Fabian Hemm als Coautor mitgewirkt.

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