Wie Augmented und Virtual Reality die Bildung revolutionieren

Auf den ersten Blick sieht das Büro der INCAS aus wie immer. Doch dann entdecke ich den Tyrannosaurus Rex, der auf einem Einrad gemütlich die Umgebung erkundet. Obwohl ich die Einzige bin, die ihn sehen kann, ist diese „Vision“ kein Hinweis auf eine zweifelhafte geistige Verfassung. Sie wird vielmehr von der Augmented Reality- oder AR-Brille auf meinem Kopf präsentiert. Mit einfachen Handbewegungen kann ich Elemente hinzufügen, verschieben oder verschwinden lassen.

Doch wozu das Ganze?

Nun, stellen Sie sich vor, Sie könnten alles einfach in Ihr Sichtfeld projizieren, ohne Rücksicht auf räumliche, zeitliche und physikalische Grenzen zu nehmen. Sie könnten sogar noch einen Schritt weiter gehen und sich mit einer Virtual Reality(VR)-Brille komplett in einer virtuellen Realität bewegen.

Der Visualisierung und Interaktion mit digital erzeugten Objekten – egal ob in Ergänzung zu Ihrer realen Umgebung oder in einer anderen beliebigen virtuellen Umgebung – sind keine Grenzen gesetzt. Alles was vorstellbar ist, ist auch realisierbar.

Welche Mehrwerte sind für Unternehmen in greifbarer Nähe?

Obwohl es zahlreiche spannende Anwendungsfelder der erweiterten Realität (AR) und der virtuellen Realität (VR) gibt, erkundet INCAS Training und Projekte als Trainingsanbieter in erster Linie die Potenziale im Bildungsbereich. Glaubt man Jeremy Bailenson, einem führenden VR-Experten, bewegen wir uns damit in dem aufregendsten Anwendungsbereich von VR.

Virtual Reality und Augmented Reality bieten die Möglichkeit komplexe Prozesse zu verstehen.

Nehmen wir das Beispiel von Medizinstudierenden: Es ist unmöglich, ein funktionierendes Herz im „echten“ Leben zu sehen, hineinzuschauen und zu studieren. Das Vergnügen wäre von kurzer Dauer. Aber es ist möglich, das dreidimensionale Abbild eines Herzens zu studieren – seinen sogenannten digitalen Zwilling. Es bietet dem echten Herzen gegenüber sogar einige Vorteile: Man könnte so nah heranzoomen, dass Blutkörperchen sichtbar werden und man sich selbst innerhalb des Herzens befindet und fortbewegt. Man könnte Zusatzinformationen zu einzelnen Elementen im wahrsten Sinne des Wortes „heranziehen“. Man könnte den Zustand des Herzens verändern und dadurch die Unterschiede zwischen einem gesunden Herzen und beispielsweise einem verfetteten Herzen erkennen.

Könnte? Nein, tatsächlich kann man schon.

Ebenso verhält es sich für Maschinen, die sich „aufschneiden“ und untersuchen lassen.

Das Gleiche trifft für unsichtbare oder schwer vorstellbare Prozesse und Phänomene zu: Von der Visualisierung von Elektrizität über Datenströme bis hin zu historischen Abläufen oder politischen Zusammenhängen lassen sich unzählige Themenkomplexe visualisieren und anfassbar machen.

Mit Augmented und Virtual Reality können Verhaltensweisen und Fähigkeiten trainiert werden.

VR und AR eignen sich nicht nur für den Aufbau des Wissens, sondern insbesondere für die Entwicklung des Könnens. Ohne jedes Risiko – ob für Körper, Geist oder Geldbeutel – lassen sich von Feuerwehreinsätzen über öffentliche Reden bis hin zum Standardtanz jegliche Fähigkeiten trainieren.

Menschen können Situationen erfahren und ein entsprechendes Verhalten einüben, ohne sie tatsächlich zu erleben. Gute Virtual Reality Anwendungen sind so immersiv, dass es sich so anfühlt, als wären wir tatsächlich da – wir erleben ein Gefühl der Präsenz. Wir lernen in diesen Situationen also genau so gut wie im „echten“ Leben. Dadurch bilden sich Routinen, von denen wir im Ernstfall profitieren können. Der Ernstfall, das kann das Verhalten in Gefahrensituationen sein, ebenso wie Kundengespräche oder Bewerbungssituationen oder aber Arbeitsabläufe wie beispielsweise das Schutzgasschweißen.

Das Anwendungsfeld von VR und AR in der Bildung erstreckt sich also von der Ausbildung über Einarbeitungsprozesse bis hin zur Weiterbildung. Diese Weiterbildung kann sowohl in ausgewiesenen Lernsituationen (etwa in Seminaren) stattfinden, als auch in den Arbeitsalltag integriert werden.

Ein Bahntechniker kann sich also mit AR den digitalen Zwilling eines Weichenmotors einblenden lassen, seine Funktionen verstehen und ihn dann reparieren.

Aber wieso eigentlich ein Bahntechniker? In der Zukunft kann jeder einen Weichenmotor reparieren. Die AR-Brillen helfen nicht nur beim Verstehen, sie können eines Tages die Fehler auch selbstständig identifizieren, berichten und die notwendigen Schritte für eine Reparatur kleinschrittig instruieren.

Jeremy Bailenson geht sogar so weit, dass er von einer Demokratisierung des Lernens und des Trainings durch VR ausgeht. So könnte es eine Art YouTube für Lernsituationen geben:

„Imagine a world in which the best teachers in all fields, realized as interactive embodied agents, are ready to guide promising minds through the lessons and practice necessary to thrive. VR training could go a long way in opening up real opportunities to millions whose talents are not being used.”

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