Visual Effects (VFX) in Star Trek Discovery – Einblicke in die Produktion von Ante Dekovic

Am 19. Dezember 2018 findet in Krefeld eine eintägige Veranstaltung (Anmeldung hier) statt, die sich sowohl an Visual Effects (VFX) Interessierte, wie auch an engagierte Trekkies richtet. Dabei berichte ich in einem dreistündigen Vortrag ausführlich über meine Arbeit im Team der Star Trek Discovery Produktions-Crew.

Ante Dekovic

Hier im Blog gebe ich schon einmal einen ersten Überblick, über die Dinge, die ich erzählen und präsentieren werde. Als Hinweis noch folgendes: Am 19. Dezember sind Foto- und Videoaufnahmen während des Vortrags nicht gestattet!

Nach dem Vortrag schließen sich noch Workshops an. Unter anderem könnt ihr mit mir als Regisseur an einen kleinen eigenen Dreh mitwirken!

 

Wie bin ich zu VFX gekommen?

Ich komme ursprünglich aus Kroatien und bin mit 9 Jahren mit meiner Familie nach Deutschland gezogen, da mein Vater nach seinem Studium auf der Kunstakademie Düsseldorf zum Professor an der FH Aachen für Video Design berufen wurde.
Meine erste Erfahrung mit Video und Schnitt habe ich mit 10 Jahren gemacht, als ich mit zwei VHS Videorecordern die Werbung aus Fernsehfilmen rausgeschnitten habe.
Als ich mit 14 angefangen habe zu skateboarden, war es naheliegend, Skateboard-Videos mit meinen Skater-Freunden zu drehen. Das Ganze wurde damals auf Hi8 gedreht. Eine Hi8 3-Chip-Kamera war auch meine erste Kamera, die ich mir durch verschiedene Schnitt-Jobs für diverse Künstlerfreunde meiner Eltern finanziert habe.
Da mein Interesse vollständig bei Film und Video lag, habe ich 2001 die Schule abgebrochen . Meinen Lebensunterhalt habe ich anschließend mit Powerpoint Präsentationen in der Werbeindustrie bestritten, bis ich im September dann ein zweimonatiges Praktikum bei Blue SpaceMedia in Köln gemacht habe, das direkt zu einer Mediengestalter-Ausbildung geführt hat.

Hinter den Kulissen der Dreharbeiten zu Sleepy Hollow

Blue Space Media war eine Produktionsfirma, deren Schwerpunkt auf dem Virtuellem Studio und 3D lag. Außerdem gab es eine kleine Schnitt- und Compositing-Abteilung. Da ich mich mit Schnitt schon gut auskannte, mir aber noch nicht viel unter VFX vorstellen konnte, fand ich letztere Abteilung spannender.
Dirk Konopatzki war dort der Abteilungsleiter und der absolute Inferno (High End Compositing) Guru. Er hatte dort zu dem Zeitpunkt gerade am SAT1 Adventskalender gearbeitet, den ich mit seinen vielen Glitzer-Effekten und Ähnlichem super spannend fand.
Da die Inferno Suite tagsüber und abends ausgebucht war, saß ich die nächsten 3 Monate jeden Abend nach meiner Arbeit neben Dirk. So habe ich angefangen Compositing zu lernen und durfte immer mal selber ran und die Effekte auszuprobieren.
Einer der Hauptkunden von Blue Space war ZDF Pur, eine Kindersendung die komplett im Virtuellen Studio gedreht wurde. Die zwei Moderatoren der Show waren Jo und eine Zeichenfigur namens Petty, die wir für jede Einstellung in der Inferno reincompen mussten. Da die Firma nach etwa 6 Monaten mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, wurde ich gefragt, ob ich die Sendung PUR alleine compen kann. So begann offiziell mein erster Job als VFX-Artist damit als und jüngster Inferno-Artist Deutschlands. (Aktuelle Auflistung 2018 | PDF)

STAR TREK

Der Anruf kam im Mai 2016: Jason Zimmerman, mein VFX Supervisor Kollege, wurde für die Star Trek Discovery angefragt. Natürlich waren wir super begeistert und haben uns riesig gefreut. Einen Monat später bekamen wir jedoch den Anruf, dass Brian Fuller, der damalige Showrunner, sich für einen anderen VFX Supervisor entschieden hat. Die Enttäuschung war zwar groß, aber wir entschieden uns dann stattdessen, die 4. Staffel von Sleepy Hollow zu machen, an deren vorherigen 3 Staffeln wir schon beteiligt waren.

Star Trek – Premierenfeier. Von links nach rechts: Charles Collyer (VFX Lead Artist), Ante Dekovic (VFX Supervisor), Aleksandra Kochoska (VFX Producer), Jason Zimmerman (VFX Supervisor) und Chrystal Zimmerman (Jason’s Frau)

In November bekamen wir einen weiteren Anruf von CBS und wurden gefragt, ob wir noch Interesse an Star Trek hätten, da Brian Fuller und sein VFX Supervisor nicht mehr auf der Show waren . Allerdings waren wir mit Sleepy Hollow und FOX unter Vertrag, sodass wir zunächst FOX und CBS davon zu überzeugen mussten, beide Shows machen zu dürfen. Nach einigem Verhandeln waren jedoch beide Seiten einverstanden. Jason fing eine Woche später an und ich kam im Februar 2017 dazu.

Die Pre-Produktion war schon im vollen Gange, sodass es erstmal eine Weile gedauert hat, bis wir uns eingearbeitet hatten. Dazu kam, dass Jason mit der Produktion nach Jordanien musste und ich parallel mit Sleepy Hollow beschäftigt war. Wir hatten auch noch keinen Produzenten, also musste ich mich erstmal durch die ganzen Drehbücher durcharbeiten.

Unsere Sitzgelegenheiten am Set im Toronto Videovillage mit dem legendären Jonathan Frakes als Gast-Regisseur.

In März 2017 bin ich dann für 6 Wochen nach Toronto zu den Dreharbeiten gereist und durfte mir alles aus erster Hand anschauen. Das war bei weitem einer der beeindruckendsten Momente in meiner Karriere. Mir wurde in dem Augenblick  das erste Mal bewusst, was für eine Verantwortung wir haben werden und was es für eine Ehre ist, in diese Fußstapfen zu treten und Teil dieser großartigen Show zu sein.

Ablauf einer Episode:

Von der ersten Episode ausgenommen , prept man üblicherweise zwei Wochen vor dem Dreh. Während eine Episode gedreht wird, prept man schon die nächsten. Deshalb haben viele Shows wechselnde Regisseure und üblicherweise zwei Sets vieler Positionen, also zwei Bildregisseure (Director of Photography), zwei Aufnahmeleiter (in unserem Fall sogar drei), etc.

Star Trek Season 2, Episode 2 – Filmklappe

Normalerweise ist es bei VFX auch nicht anderes, aber Jason Zimmerman und ich haben uns von Anfang an entschieden, alles zusammen zu machen und intern unsere Aufgaben aufzuteilen. Da wir uns bereits über 10 Jahren kennen und davon über 8 Jahren zusammenarbeiten, ist es recht einfach.

Prep

Zuerst bekommen wir eine so genannte „Outline“. Grundsätzlich sind das 16 Seiten über die Episode, damit wir schon wissen, was auf uns zukommt und schon mal eine grobe Idee entwickeln, was an Sets gebaut werden muss, welche Requisiten von welchen Schauspielern benötigt werden, etc.
Anhand der „Outline“ findet dann das erste Abteilungsleitertreffen statt. Dabei sitzt man in einem großem Meetingraum mit ca. 25 Leuten am Tisch und bespricht soweit möglich grob die Episode.
Nach ein bis zwei Tagen steht dann bereits die erste Version des Drehbuchs. Daraufhin ist es an uns, wie auch parallel an allen anderen Abteilungen, ein „Breakdown der Episode“ machen. Das heißt, dass ich durch das Drehbuch gehe und dann entscheiden muss, was und ob jede einzelne Szene VFX hat und wie sich die Kosten gestalten werden.
Nachdem ich damit fertig bin, wissen wir ungefähr wie teuer die VFX in der Episode sein dürfte und der Herstellungsleiter (Line Producer) hat einen Überblick über die Gesamtkosten der Episode.

Star Trek Season 1, Episode 2 – James Mackinnon, Prothetik Departement Head, korrigiert gerade die Klingonen-Maske. Im Hintergrund erkennt man das 15-Kamera-Rig, das von VFX und Grip entwickelt wurde, um die Klingonen in 3D zu filmen. Auf der rechten Seite (von rechts nach links ): Regisseur, Klingonischer Sprach -Coach und der Aufnahmeleiter.

Dann folgt das obligatorische „VFX Meeting“ wo wir mit dem Regisseur, dem Aufnahmeleiter und mehreren Produzenten konkret Zeile für Zeile die Visual Effects besprechen. Hier entscheiden wir, wie viele VFX Schüsse wir pro Szene brauchen, wie viele Full-CG-Shots, welche Assets und wie am Ende was gedreht wird.
Daraufhin bearbeite ich das Budget und reiche es dann wieder ein. Dieser Prozess wird so oft wiederholt, bis alle auf demselben Nenner sind und das Budget abgesegnet final ist.

Star Trek Season 1, Episode 1 – Burnham auf einem Green Screen Rig, um Schwerelosigkeit darzustellen. Der Helm hat kein Frontglas, um grüne Reflektionen zu vermeiden!

Zwischendurch gibt es natürlich noch weitere Abteilungsmeetings zu den Special Effects, der Requisite, Video-Playback und Grafik, Stunts, Kostüme und Maske. In den meisten dieser Abteilungen sind VFX vertreten, da wir an so einer Show das größte Budget (und damit auch die größte Verantwortung) haben. Tatsächlich hat so ziemlich jede Szene den einen oder anderen Visual Effect.
Ein oder zwei Tage vor dem Dreh gibt es noch das „Produktionsmeeting“, in dem noch einmal in der großen Runde die Einzelheiten besprochen werden, bevor wir dann anfangen zu drehen.

Dreh

Gedreht wird in der Regel zehn Tage, zzgl. zwei Tagen mit der Second Unit, die sich bereits mit der nächsten Folge überschneiden.
In Toronto verfügen wir im Team über einen VFX Set Supervisor, einen Data Wrangler und eine VFX Koordinatorin.

Der VFX Wagen: Das ist unsere mobile VFX Station, auf der man so ziemlich alles findet, was man für VFX am Set braucht.

Der VFX Supervisor ist dafür verantwortlich, dass alles was Jason und ich mit der Produktion besprechen, auch umgesetzt wird. Falls hierbei VFX-Fragen aufkommen oder etwas Unerwartetes geschieht, kann er dadurch sofort reagieren und wir werden in L.A. informiert und involviert. Ein konkretes Beispiel dafür, was passieren kann, ist z.B., dass die Kontaktlinsen den Schauspieler nach gewisser Zeit irritieren und diese dann rausgenommen werden müssen. Mittels VFX müssen diese dann später digital wieder eingesetzt werden. Wir informieren daraufhin die Produktion über die unerwarteten Kosten, für die eine Rücklage gebildet werden muss. Weitere Herausforderungen können auch darin liegen, dass der Regisseur eine bessere Einstellung als geplant findet, die aber nicht ideal für VFX ist, oder er braucht ein paar extra VFX Shots für die Szene. So etwas wird dann vor Ort besprochen.
Der Data Wrangler ist dafür verantwortlich, alle Kamera-Informationen und alle Daten zu sammeln, welche die externen VFX Agenturen benötigen, um später die Einstellungen zu bearbeiten. Unsere VFX Koordinatorin in Toronto organisiert alles, was mit dem Dreh und Produktion zu tun hat und ist für die reibungslose Kommunikation zwischen Toronto und L.A. verantwortlich.

Wartende Statisten auf Green-Screen als VFX Elemente für das Compositing

Wie schon angedeutet, ist es notwendig mit verschiedenen Regisseuren zu arbeiten. Wenn einer dieser Regisseure nur wenig VFX-Erfahrung hat oder gewisse Episoden besonders komplex sind, fliegen Jason oder ich nach Toronto. Es ist in diesem Fall einfacher direkt vor Ort zu sein und alles unmittelbar mit dem Regisseur am Set zu besprechen.
In der Regel wird zwölf Stunden zzgl. einer Stunde Mittagspause gedreht, manchmal auch dreizehn Stunden. Wir fangen normalerweise montags um 7 Uhr zu drehen an und freitags um 11 Uhr, da zwischen den Drehtagen grundsätzlich eine zwölfstündige Pause gemacht werden muss.

Star Trek Season 1, Episode 15 – Doug Jones (Saru) und Mary Chieffo (L’Rell) in einer Umbaupause für die nächste Einstellung.

Wir haben das Glück, dass wir wetter- und tageslichtunabhängig sind, weil Star Trek zu 90% rein im Studio gedreht wird. Somit besteht deutlich mehr Planungssicherheit.

Post-Produktion

Star Trek wird mit Arri Alexa Kameras gedreht und das digitale Material über Nacht von Toronto nach L.A. via Internet im DNxHD36 Quick Times Format auf die Server überragen.
Damit haben die Editoren in der Regel schon am nächstem Tag die Möglichkeit, das Material zu sichten und zu schneiden.

Star Trek Season 1, Episode 2 – Michael Burnham in ihrer Arrestzelle in der Green-Screen Umgebung am Set und nach der VFX Bearbeitung

Der Cutter hat, nachdem wir die Episode abgedreht haben, eine Woche Zeit seinen Schnitt einzureichen. Bis dahin haben wir auch die ersten Versionen der Previsualisierungen der Full CG Shots eingereicht, wie auch die vorläufigen storyboard-relevanten Kompositionen.

Star Trek Season 1, Episode 2 – Die Monitore des 15-Kamera-Rigs im Videovillage in Toronto. In der Episode erscheinen die Klingonen als übergroße Hologramme schwebend im Raum. Da die Kamera sich bewegen muss, wurde ein 15-Kamera-Rig genutzt, um ein 3D Hologramm zu erzeugen und alle Kamerawinkel abzudecken.

Eine Woche später präsentiert der Regisseur dann seinen Schnitt den Produzenten und anschließend dem Studio. Mit den Kommentaren des Studios geht es dann wieder zurück zum Editor.
Unsere VFX Cutter machen nach jeder Schnitt-Phase ein VFX Tracking, indem alle VFX Shots identifiziert werden. Dann erfolgt durch unsere VFX Producerin Aleksandra Kochoska der Abgleich mit dem bewilligten Budget. Falls wir über dem Budget liegen, informieren wir die Producer. Die entscheiden dann, ob sie was rausschneiden wollen oder ob das Budget angepasst wird.
Nachdem der Schnitt mehr oder weniger steht, schicken wir die VFX Szenen zu unseren externen VFX Agenturen, die uns pro Shot ein Angebot zukommen lassen. Auf dieser Basis entscheiden wir dann, wer für welche Einstellungen den Zuschlag erhält.

Star Trek Season 1, Episode 2 – Ein Klingone schwebt gefroren im Weltall. Da wir mit dem Kamerakran mit einer Nahaufnahme beginnen und dann in eine weite Einstellung gehen, konnten wir keinen „Dummy“ benutzen und mussten daher einen Schauspieler so platzieren, dass er sich nicht bewegt.

Nachdem alle Einstellungen fertig sind, geht die Episode in den Sound Mix und am Ende in Farbkorrektur in DI (Digital Intemedia).
Am Ende geht die Episode durch einen finalen Qualitätskontroll-Prozess bevor es dann auf die CBS oder Netflix Plattform hochgeladen wird.

Kuchen im Produktions- Meeting: Traditionell wird dem Regisseur vor jeder Episode ein Kuchen überreicht. Diese vier Exemplare sind für Jonathan Frakes im Meeting für die 2. Episode der 2. Staffel.

Die erste Staffel hatte

  • 15 Folgen mit
  • 4023 VFX Einstellungen an denen
  • 11 VFX Firmen aus USA, Kanada, Dänemark, Deutschland, Mazedonien, Spanien und Frankreich gearbeitet haben mit insgesamt
  • ca. 430 daran beteiligten VFX Artist.

Hierüber und über noch viel mehr berichte ich Euch gerne am 19. Dezember in Krefeld (Anmeldung hier)!

Ich freue mich Euch persönlich zu treffen!

Euer Ante Dekovic

 


Bildnachweis
Star Trek Artwork (Banner+Footer) | Quelle: CBS Television Distribution
Fotos | Quelle: Ante Dekovic

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